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Veröffentlicht: 08.07.2015


Integratives Medizinstudium: Große Akzeptanz

bei Radiologen


Eine Umfrage unter den Lehrstuhlinhabern des Fachs zeigt große Akzeptanz für die interdisziplinäre Lehre. Die Fachgesellschaft entwirft ein modulares Curriculum.

Das Studium der Humanmedizin befindet sich im Umbruch. An traditionellen Fächern ausgerichtete Lehre gilt international als veraltet, neuer Standard ist die organzentrierte Lehre. In diesem Kontext steht der Begriff der integrativen Lehre für fächerübergreifenden, oft multidisziplinären Unterricht zu einem Organ- oder Themengebiet. Durch die Einführung von Modellstudiengängen in der Medizin und durch die Diskussionen im Rahmen des Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalogs Medizin hat das Interesse an integrativer Lehre in Deutschland in den letzten Jahren stark zugenommen. Der Wissenschaftsrat hat sich 2014 in einer Empfehlung zur Weiterentwicklung des Medizinstudiums geäußert. Danach sollte die Vermittlung der Studieninhalte vornehmlich in „fächerübergreifenden, organ- und themenzentrierten Modulen erfolgen.“ An die Stelle der traditionellen Orientierung an Fächern soll eine an den ärztlichen Rollen und ihren Kompetenzen orientierte Ausbildung treten.

Vor- und Nachteile integrativer Lehre

Was diese Entwicklung für ein Querschnittfach wie die Radiologie bedeutet, hat eine Arbeitsgruppe der Medizinischen Hochschule Hannover im Rahmen einer Umfrage unter den 37 Lehrstuhlinhabern für Radiologie in Deutschland ausgewertet (1). Schwerpunkt der Umfrage war es, den aktuellen Stellenwert der integrativen Lehre in der Radiologie an Fakultäten mit Modell- und Regelstudiengängen zu erfassen. Erfragt wurden unter anderem Art des Studiengangs, spezielle Lehrqualifikationen von Mitarbeitern, Zusammensetzung der Lehre, Bedeutung integrativer und konventioneller radiologischer Lehrveranstaltungen, Vor- und Nachteile integrativer Lehre, Lehr-evaluation und die Vergabe leistungsorientierter Mittel (LOM). Die Rücklaufquote betrug 68 Prozent.

Die Akzeptanz für integrative Lehre ist in der Radiologie mit 90 Prozent sehr hoch, an Modellstudiengängen signifikant höher als an Regelstudiengängen und reformierten Regelstudiengängen. Dies verwundert in Anbetracht des interdisziplinären Charakters des klinischen Faches Radiologie nicht. Dieser interdisziplinäre Ansatz wird auch in der Lehre deutlich und reicht von vorklinischer Integration von Radiologie und Anatomie über gemeinsame Veranstaltungen der Strahlenfächer bis hin zur Methodenwahl und Differentialdiagnose in höheren Semestern. Integrative radiologische Lehre wird an allen Modellstudiengängen, aber auch an 72 Prozent der Regelstudiengänge praktiziert.

Als Hauptvorteile der integrativen Lehre wurden die Verknüpfung von Inhalten (92 %) und die Vorbereitung auf die interdisziplinäre Zusammenarbeit (76 %) genannt. Nachteile integrativer Lehre sind vor allem der hohe organisatorische (75 %) und zeitliche (67 %) Aufwand für die Lehrveranstaltung selbst und für die inhaltliche Absprache (54 %). Auffallend war, dass diese Nachteile von Teilnehmern mit Modellstudiengang signifikant häufiger genannt wurden. Bei der Frage, ob die integrative Lehre für wichtig erachtet wird, gab es ebenfalls signifikante Unterschiede. Im klassischen Regelstudiengang waren nur 55 Prozent von der Wichtigkeit überzeugt, wohingegen es sowohl im reformierten Regelstudiengang als auch im Modellstudiengang 100 Prozent waren. Zusammenfassend zeigt die Umfrage, dass das Konzept der integrativen Lehre in der Radiologie sehr gut verstanden und bereits in vielen Fakultäten umgesetzt wird. Dies verwundert nicht, da für Radiologen im klinischen Alltag interdisziplinäres Arbeiten die Regel ist. Daher ist es ureigenes Interesse der Radiologie, den Studenten frühzeitig einen interdisziplinären Ansatz zu vermitteln. Zusätzlich halten 84 Prozent der Teilnehmer, ungeachtet des Studiengangmodells, auch eigenständige radiologische Kurse für wichtig oder sehr wichtig.

Module für beide Varianten entwickelt


Diesem Ergebnis der Umfrage folgend, hat die Deutsche Röntgengesellschaft (DRG) ein modular aufgebautes Curriculum für das Fach Radiologie in der medizinischen Lehre erarbeitet (2). Das Modul 1 ist dabei an den bildgebenden Verfahren orientiert. Das Modul 2 ist organsystemorientiert. Während Modul 1 vorwiegend im Rahmen von radiologischen Lehrveranstaltungen vermittelt werden sollte, eignet sich Modul 2 sehr gut für eine Integration in interdisziplinäre, organzentrierte Curricula.

Prof. Dr. med. Frank Wacker
Institut für Diagnostische und Interventionelle
Radiologie, Medizinische Hochschule Hannover



Prof. Dr. med. Birgit Ertl-Wagner
Institut für Klinische Radiologie, Ludwigs-
Maximilians-Universität München

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